Akasha
Aus AnthroWiki
Akasha (von skrt. kash = leuchten, strahlen, glänzen) bedeutet nach alter indischer Anschauung soviel wie Himmel, Äther oder Raum. Der Raum oder Äther, ja sogar der Himmel, ist das, worin Bewegung stattfindet. Mit dem Raum ist aber nicht nur der äußere sinnlich erfahrbare dreidimensionale Raum gemeint, sondern eine Folge multidimensionaler unendlicher Bewusstseinsräume, von denen der sinnlich erfahrbare Raum nur die unterste Stufe ist, und auch die Bewegung ist nicht bloß eine äußere, sondern umfasst auch alle seelischen und geistigen Bewegungen. Hinter diesen aber steht Prana als geistiges Prinzip aller Bewegungen, der lebendige Odem, der klingende Rhythmus des ganzen Kosmos, womit nach Rudolf Steiner letzlich auf den Lebensäther gedeutet ist, in dem sich das gestaltende Weltenwort, der Christus selbst, zum Ausdruck bringt. Was in Prana als Bewegung schöpferisch lebt, wird in Akasha in Formen festgehalten. Dadurch wird Akasha zur Grundlage des Weltengedächtnisses, zur Akasha-Chronik, in der die Spuren des Schöpfungsprozesses bewahrt werden. Prana ist in diesem Sinn das formende Prinzip, Akasha ist das, was geformt wird, ähnlich wie es Aristoteles später durch die beiden Prinzipen Stoff und Form angedeutet hat.
Reines, noch umgeformtes Akasha ist der Urstoff der Welt, der in der okkulten Überlieferung als Akashastoff bezeichnet wird. In allen anderen Stoffen, von der gröbsten festen Materie bis hinauf zu den feinsten ätherischen Substanzen, wirken Prana und Akasha in einem ganz spezifischen Kräfteverhältnis zusammen. Und in allen Stoffen, auch in der groben Materie, sind die Spuren des Schöpfungsprozesses und aller daraus folgenden Bewegungen eingeschrieben.
"Nach altindischer Anschauung offenbart sich das Universum in zwei grundlegenden Eigenschaften: als Bewegung und als das, worin diese Bewegung stattfindet, nämlich Raum. Dieser Raum wird als Akasha (Tib.: nam-mkhah) bezeichnet und ist das, wodurch Dinge in Erscheinung treten, d. h. Ausdehnung, Körperlichkeit besitzen. Als das alle Dinge Umfassende entspricht Akasha dem dreidimensionalen Raum unserer Sinneserfahrung und wird als solcher «mahakasha» genannt. Das Wesen des Akdsa erschöpft sich jedoch nicht in dieser Dreidimensionalität; es umfaßt alle Möglichkeiten der Bewegung, nicht nur der körperlichen, sondern auch der geistigen, d. h. unendliche Dimensionen.
Auf der Ebene geistiger Aktivität wird Akasha als «Bewußtseinsraum» oder Dimension des Bewußtseins «cittakasha», bezeichnet, während er auf der höchsten Stufe geistigen Erlebens, auf der die Dualität von Subjekt und Objekt aufgehoben ist, «cidakasha» genannt wird.
Akasha kommt von der Wurzel kash, «leuchten», «strahlen» und hat daher auch die Bedeutung «Äther», der als Medium der Bewegung dient. Das Prinzip der Bewegung aber ist Prana (Tib.: sugs), der lebendige Odem, der allgewaltige Rhythmus des Universums, in dem Weltentstehungen und Weltvergehungen einander folgen wie Einatmung und Ausatmung im menschlichen Körper, und in dem der Lauf der Sonnen und Planeten ebenso beschlossen ist wie der Umlauf des Blutes und die Ströme psychischer Energien. Alle Kräfte des Universums wie des menschlichen Geistes, vom höchsten Bewußtsein bis in die Tiefen des Unterbewußten sind Modifikationen des Prdna. Das Wort »prana» kann daher nicht mit dem körperlichen Atem gleichgesetzt werden, obwohl der Atem {prana im engeren Sinne) eine der vielen Funktionen ist, in denen diese universelle Urkraft sich manifestiert.
Obwohl im höchsten Sinne Akasha und Prana nicht voneinander zu trennen sind, sondern sich wie «oben» und «unten» oder «rechts» und «links» gegenseitig bedingen, ist es möglich, das Vorwiegen des einen oder des anderen Prinzips im Gebiete praktischer Erfahrung zu beobachten und zu unterscheiden.
Alles Geformte, Ausgedehnte, in räumliche Erscheinung Tretende offenbart die Natur des Akasha. Daher werden die vier groben Elemente (mahabhuta; Tib.: hbyun-ba) oder Aggregatzustände des Festen («Erde»), des Flüssigen («Wasser»), des Flammenden oder Hitzenden («Feuer») und des Gasförmigen («Luft») als Modifikationen des Akasha, des Raumäthers aufgefaßt.
Alles Bewegende, Dynamische, Veränderung-Hervorrufende, Verwandelnde offenbart die Natur des Prana. Alle körperlichen und seelischen Vorgänge, alle physischen und psychischen Kräfte, von den Funktionen der Atmung, des Blutkreislaufs und des Nervensystems bis zu denen des Bewußtseins, des Denkens und aller höheren Geistesfunktionen sind Modifikationen des Prana.
Akasha stellt sich in seiner gröbsten Form als Materie dar; in seinen feinsten Formen geht er unmerklich ins Energetische über." (Lit.: Govinda, S 157f)
Siehe auch
Literatur
- Lama Anagarika Govinda: Grundlagen tibetischer Mystik, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1975 (vergriffen; heute erhältlich im Aquamarin-Verlag, ISBN 978-3-89427-469-6)


