Aura
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Die Aura des Menschen gibt ein Bild der übersinnlichen Wesensglieder des Menschen, wie sie der Hellseher erblicken kann. Als übersinnliche Wesensglieder gelten Ätherleib, Astralleib und Ich. Man kann dementsprechend eine Ätheraura, eine Astralaura und eine Ich-Aura unterscheiden, wobei meist die Astralaura am deutlichsten hervortritt. In der bildenden Kunst wird die Ganzkörper-Aura als Mandorla oder Aureole, die Kopfaura als Heiligenschein dargestellt. Ursprünglich waren in den alten Kulturen auch die Gewandformen als sinnlich sichtbarer Ausdruck der menschlichen Aura gestaltet.
Die theosophischen Schrifsteller Annie Besant und C. W. Leadbeater haben, bei allen Vorbehalten, die man sonst aus anthroposophischer Sicht gegen sie haben mag, im wesentlichen zutreffende, umfangreiche und reich illustrierte Darstellungen der menschlichen Aura gegeben, die weitgehend mit den Schilderungen Rudolf Steiners übereinstimmen. (Lit.: 1,2)
Und die Seelen- und Geisteswesenheit des Menschen erscheint in dieser Art als übersinnlicher Teil an der ganzen menschlichen Wesenheit.
Die dem «geistigen Auge» wahrnehmbaren Farbenwirkungen, die um den in seiner Betätigung wahrgenommenen physischen Menschen herumstrahlen und ihn wie eine Wolke (etwa in Eiform) einhüllen, sind eine menschliche Aura. Bei verschiedenen Menschen ist die Größe dieser Aura verschieden. Doch kann man sich – im Durchschnitt – etwa vorstellen, daß der ganze Mensch doppelt so lang und viermal so breit erscheint als der physische.
In der Aura fluten nun die verschiedensten Farbentöne. Und dieses Fluten ist ein getreues Bild des inneren menschlichen Lebens. So wechselnd wie dieses sind einzelne Farbentöne. Doch drücken sich gewisse bleibende Eigenschaften: Talente, Gewohnheiten, Charaktereigenschaften auch in bleibenden Grundfarbtönen aus." (Lit.: GA 9)
"Die Persönlichkeit ist dasjenige, was die drei Leiber - physischer Leib, Ätherleib und Astralleib - vom Ich durchstrahlt sein läßt. Das kann auch unklar, schattenhaft sein - und wenn dies der Fall ist, so ist der betreffende Mensch eine schwache Persönlichkeit.
Für den Hellseher ist dies durchaus erkennbar. Er sieht den Menschen von einer farbigen Aura umflossen, in der sich seine Stimmungen, Leidenschaften, Gefühle, Empfindungen in Farbströmungen und Farbwolken genau ausdrücken. Versetzen wir uns in die Zeit, in welcher die drei Wesensglieder erst bereit waren, das menschliche Ich aufzunehmen, so würden wir auch bei diesem noch nicht ganz Mensch gewordenen Wesen eine Aura finden. Es würden aber darin die gelben Strömungen fehlen, in denen die höhere Natur des Menschen zum Ausdruck gelangt. Starke Persönlichkeiten haben eine stark gelb strahlende Aura. Nun kann man eine starke Persönlichkeit sein, aber ohne Aktivität, man kann innerlich stark reagieren, ohne ein Tatenmensch zu sein. Dann zeigt die Aura gleichwohl viel Gelb. Ist man aber ein Tatenmensch und wirkt sich die Persönlichkeit in der Außenwelt aus, so geht das Gelb allmählich in ein strahlendes Rot über. Eine rot strahlende Aura ist die eines Tatenmenschen; sie muß aber strahlen.
Doch gibt es eine Klippe, wenn die Persönlichkeit zu Taten drängt. Das ist der Ehrgeiz, die Eitelkeit. Davon können besonders leicht starke Naturen befallen werden. Der Hellseher sieht dies in der Aura. Ohne den Ehrgeiz geht das Gelb unvermittelt in Rot über. Ist der Mensch jedoch ehrgeizig, so hat er viel Orange in der Aura. Diese Schwelle muß man überwinden, um zur objektiven Tat zu gelangen.
Schwache Persönlichkeiten sind solche, die mehr darauf gerichtet sind, daß man ihnen gibt, als daß sie geben und etwas tun. Da sehen Sie dann hauptsächlich blaue Farben, und wenn die Menschen besonders bequem sind, die Indigofarbe. Es bezieht sich dies mehr auf die innerliche Bequemlichkeit als auf die äußere.
Sie sehen, wie sich in der Aura des Menschen die starke oder schwache Persönlichkeit abspiegelt." (Lit.: GA 96, S 322)
"Sie wissen daß der Astralleib, in dem die inneren Triebe, Begierden und Leidenschaften des Menschen leben, für den Hellseher als Lichtleib sichtbar wird. In diesem Lichtleib erscheinen die mannigfaltigsten Figuren und Farben [Abbildung links]. Jede Leidenschaft, jeder Trieb hat eine bestimmte Farbe. Das alles, sogar die Grundstimmung prägt sich in diesem Lichtleib aus. Wenn Sie bei einem Menschen, der sehr nervös ist, den Lichtleib ansehen, so haben Sie denselben ganz geschwängert mit aufglitzernden und leuchtenden Punkten. Das alles glänzt auf und verschwindet und spielt in den verschiedensten Farben.
Wenn ein furchtbarer Affekt vorliegt, so finden Sie solche Strahlen [Abbildung rechts]:
Ein Mensch, der einen verhaltenen Groll hat, hat in sich Figuren wie Schlangen.
Es ist das aber schwer zu zeichnen, da es wie etwa der Blitz fortwährend in Bewegung ist. Innerlich ist also Zorn oder Groll oder Nervosität da, wenn die Seele innerlich zappelt. Was der Mensch da innerlich erlebt, ist sein Seelenzustand. Äußerlich wird dieser Seelenzustand für den Hellsehenden als Lichterscheinung sichtbar." (Lit.: GA 96, S 130)
Literatur
- A. Besant u. C. W. Leadbeater, Thought Forms
- C. W. Leadbeater: Man Visible and Invisible, The Theosophical Publishing House, London 1902
- Rudolf Steiner: Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung, GA 9 (1904), Kapitel VI. Von den Gedankenformen und der menschlichen Aura)
- Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96 (1989), Berlin, Zwanzig Vorträge vom 29. Januar 1906 bis 12. Juni 1907
| Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@rudolf-steiner.com URL: http://www.rudolf-steiner.com. Hier wird auch eine Volltextsuche im schriftlichen Gesamtwerk angeboten. Ein sehr hilfreiches Werkzeug zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk ist Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners. |





