Gruppenseele

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Mineralien, Pflanzen und Tiere haben kein individuelles Ich wie der Mensch, sondern sie gehören als ganze Gruppe gemäß ihrer Art und Gattung einer Gruppenseele, einem Gruppen-Ich oder Gruppengeist an, dessen Bewusstsein nicht wie beim Menschen auf dem Physischer Plan, sondern auf höheren Planen zu finden ist. Arten und Gattungen, die für das heutige Bewusstsein bloße zusammenfassende Allgemeinbegriffe sind, leben hier als geistige Realität. Wie beim Menschen deutlich Seele und Geist auseinander gehalten werden müssen, so ist auch der Gruppengeist klar von der ihm zugehörigen Gruppenseele zu unterscheiden.

Das Ich der Mineralien befindet sich im höheren Devachan, das Ich der Pflanzen im unteren Devachan und das Ich der Tiere auf dem Astralplan.

In alten Zeiten gehörte auch der Mensch einem Gruppen-Ich an; das individuelle menschliche Ich trat erst nach und nach hervor. Auch die anderen Gruppenseelen werden später unter ganz anderen Bedingungen zu einem individuellen Dasein herabsteigen:

"Die Gruppenseelen werden später, viel später dieselben Erfahrungen in sich aufnehmen, die heute der Mensch macht. Sie werden sich später einen eigenen Leib aufbauen. Sie werden ein einzelnes Individuum werden und werden dann eine Individualseele haben. Aus Tieren werden niemals Menschen werden, aber aus den Gruppenseelen werden Menschen werden; zwar ganz andere Menschen als wir. Man kann die Menschheitsstufe in der verschiedensten Weise durchmachen: auf der Saturnstufe, der Sonnenstufe, der Mondenstufe, der Erdenstufe und so weiter." (Lit.: GA 95, S 153f)

Gruppenseelen und individuelle Seele sind dabei durch das Geheimnis der Zahl miteinander verbunden:

"Auch in dieser physischen Welt gibt es höhere Wesenheiten als den Menschen. Der Mensch hatte früher, ehe er auf den physischen Plan herabstieg, zur Zeit als der «Blut-Rubikon» noch nicht überschritten war, eine Gruppenseele auf dem Astralplan. Der ganze Stamm lebte da in dieser Gruppenseele. Ebenso werden die Tiergruppenseelen später herabsteigen und sich individualisieren. Hier berühren wir ein hohes Mysterium, welches zu den sieben Geheimnissen gehört, die man die unaussprechlichen nennt.

Eines dieser Geheimnisse ist das Geheimnis der Zahl. Wahr ist es, daß ganze Gruppen von Menschen eine Seele hatten. Das Geheimnis lautet: Aus dem Einen fließt es und wird zur Zahl: zahlreich wie die Körner der Ähren. Beim Herabsteigen einer solchen Gruppenseele geschieht dasselbe wie beim Samenkorn: ein Korn wird in die Erde gelegt, und es entsteht daraus die Ähre mit den vielen Körnern.

Aber alles in der Welt ist in einer bestimmten Weise nur einmal vorhanden. So ist auch diese Menschheit, wie sie jetzt ist, nur einmal da. Nichts in der Welt wiederholt sich in gleicher Weise. In den Tiergruppenseelen haben wir solche zu sehen, die später Individualseelen werden, aber unter ganz anderen Verhältnissen als die Menschen, in einer ganz anderen Beschaffenheit." (Lit.: GA 94, S 259f)

Obwohl der Mensch heute sein Ich bereits sehr weitgehend entwickelt hat, steht er dennoch durch seine Volkszugehörigkeit zugleich bis zu einem gewissen Grad unter dem Einfluss der Volksseele bzw. des Volksgeistes.

Umgekehrt können auch geistig hochentwickelte Menschen, Eingeweihte, zu einem neuen Gruppenseelen-Dasein aufsteigen:

"Gibt es nun auch Seelen, die schon Individualseelen waren und die dann wieder hinaufstiegen auf den Astralplan und zu Gruppenseelen geworden sind? - Ja, solche Seelen gibt es. Sie entstehen dann, wenn sich um einen Eingeweihten eine Anzahl von Menschen kosmisch zusammenfinden und wie die Glieder eines gemeinsamen Leibes werden. Eingeweihte werden so zu Volksseelen. So hatte das jüdische Volk, das auserwählte Volk, eine die Einzelnen verbindende gemeinsame Seele, die einmal Mensch war und wieder hinaufgestiegen und zur Volksseele geworden ist. Im Schoße des Vaters Abraham konnte sie ruhen.

Denken Sie sich nun, der Mensch mache als Einzuweihender seine Entwickelung schneller durch. Er geht dann als Einzelseele denselben Weg, den jene Volksseele gemacht hat: Er wird Gruppenseele. Der Einzelne geht auf in einem solchen erweiterten Bewußtsein. Er ist dann in Wahrheit als Eingeweihter an kosmischem Werte gleich einer ganzen Volksseele. Das können Sie noch an den alten Benennungen sehen. Man nannte diese Stufe der Entwickelung mit dem Namen des ganzen Volkes, zum Beispiel Israeliter." (Lit.: GA 94, S 260)

In Zukunft wird es immer bedeutsamer werden, dass sich Menschen aus dem freien Entschluss ihres Ichs zu neuen geistigen Gemeinschaften zusammenschließen, die höheren geistigen Wesenheiten die Möglichkeit bieten, in neuer Art als Gruppengeist tätig zu werden. Es wird dadurch eine gemeinsame Gruppenseele gebildet, die das individuelle Ich nicht auslöscht, sondern vielmehr bereichert und erhöht. Im besten und erhabensten Sinn kann der Christus selbst derat in kleinste oder größere Menschengemeinschaften hereinwirken. Darauf zielt der Ausspruch des Christus:

"Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen." (Mt 18,20 LUT)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (1979)
  2. Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1964)
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