Materialismus
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Der Begriff Materialismus (abgeleitet von Materie) bezeichnet eine philosophische Grundrichtung, die - im Gegensatz zum Idealismus - davon ausgeht, dass Gedanken und Ideen Erscheinungsformen der Materie sind.
Es erklärt dabei die uns umgebende Welt und die in ihr ablaufenden Prozesse ohne spirituelle oder mystische Elemente, die sich dem reproduzierbaren wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn entziehen (beispielsweise ein Schöpfergott).
Geschichte
Die Ursprünge des Materialismus liegen in der griechischen Naturphilosophie, wichtige Vordenker sind u.a. Thales, Anaxagoras, Parmenides, Epikur, vor allem aber Leukipp und Demokrit, die Begründer der Atomtheorie. Die Naturphilosophen suchten natürliche Erklärungen der Wirklichkeit anstelle der mythologischen. Die Naturphilosophie gilt somit auch als Vorläuferin der modernen Wissenschaft.
Als wichtige Vertreter in der europäischen Aufklärung gelten Denis Diderot und Ludwig Feuerbach.
Ein streng mechanistisches Weltbild entwarf der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Laplace. Er behauptete, durch die Kenntnis des gegenwärtigen Zustands eines jeden Teilchens im Universum ließe sich auf Grundlage der bekannten (und absolut erfassbaren) mechanischen Gesetze der Zustand des Universums zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Zukunft bestimmen. Der Laplacesche Determinismus hat damit gravierende Auswirkungen auf die Naturphilosophie gehabt, da das Universum in diesem Fall nicht nur vorhersehbar, sondern durch seine Anfangsbedingungen bereits vorherbestimmt sei.
Das mechanistische Weltbild, wie es im Laplaceschen Determinismus Ausdruck fand, ist mit der Entwicklung der Quantenmechanik als unzureichend befunden worden, da aufgrund der Heisenbergschen Unschärferelation Ort und Impuls eines Teilchens niemals hinreichend genau bestimmt werden können. Folglich ist auch die Extrapolation des gegenwärtigen Zustands eines jeden Systems nur bedingt möglich.
In der aktuellen wissenschaftlichen und philosophischen Diskussion über die wesentlichen Bestandteile des Universums lässt sich eine Abkehr vom deterministischen Materialismus erkennen, da zum einen immer kleinere, fundamentalere Bestandteile der Materie entdeckt worden sind, ohne zu wissen, ob diese nun wirklich "elementar" sind, (siehe Atom, Atomkern, Proton, Neutron, Quarks), und zum anderen physikalische Prozesse nie vollständig deterministisch sind und oft auch vom Zufall beeinflusst werden.
Zu den bekanntesten materialistischen Philosophen zählen Karl Marx und Friedrich Engels. Sie verbanden den Materialismus mit der Dialektik, und erklären die Wirklichkeit als Prozess der permanenten Wechselwirkung von Geist und Materie (vgl. Dialektischer Materialismus). Weiters sei hier der Anarchist Michail Bakunin erwähnt, der in seinem Werk "Gott und der Staat" versucht, die Frage zu beantworten, ob Idealisten oder Materialisten im Recht sind.
Umgangssprachliche Verwendung des Begriffs
Umgangssprachlich wird der Begriff auch (kritisch) im Sinne einer Lebenseinstellung verwendet, die hauptsächlich durch Streben nach materiellem Besitz und Wohlstand charakterisiert sei und Glück mit diesem gleichsetze (Komfort). Personalisiert fand sich diese (von Kritikern zugeschriebene) Einstellung in der Figur des Yuppie in den 80ern.
Während des kalten Krieges wetteiferten Kapitalismus und Sozialismus (u.a.) um die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern, wobei der Sozialismus diesen Wettstreit verlor (lange Schlangen, graue Auslagen in Kaufhäusern).
Kritiker im 20. Jahrhundert wie Teile der 68er-Bewegung (Hippies) oder später die Punks wendeten sich im Westen später gegen einen nach dem Wirtschaftswunder verbreiteten vermeintlichen Materialismus, der durch (übermässigen, passiven) Konsum von Waren und Vernachlässigung ideeller Werte (z.B. Altruismus, Spiritualität, Kreativität) gekennzeichnet sei (Überflussgesellschaft).
Aber auch aus religiöser (z.B. christlicher) Sicht wird eine einseitig materialistisch orientierte Lebensauffassung immer wieder in Frage gestellt.
Der Soziologe Norbert Bolz beschrieb in seinem konsumistischen Manifest seine Wertschätzung einer materialistischen Lebensauffassung (Konsumismus).
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