Metalle

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Metalle zeichnen sich durch ihre hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit, gute plastische Verformbarkeit (Duktilität) und den charakteristischen metallischen Glanz und die damit verbundene Lichtundurchlässigkeit (außer in ganz dünnen Schichten) aus und unterscheiden sich dadurch von den Nichtmetallen und Halbleitern. Mehr als 80% der chemischen Elemente sind Metalle.

Inhaltsverzeichnis

Die sieben Planetenmetalle

Aus okkulter Sicht kommt den Sieben Planetenmetallen, mit denen sich auch die Alchemisten intensiv beschäftigt haben, eine ganz besondere Bedeutung zu. Die nachfolgende Tabelle entspricht der okkulten Reihenfolge der Planeten:

Planet Metall
Mond Silber
Merkur Quecksilber
Venus Kupfer
Sonne Gold
Mars Eisen
Jupiter Zinn
Saturn Blei

Die sieben Planetenmetallen haben urbildhaften Charakter. Aus geistiger Sicht lassen sich alle anderen Metalle mehr oder weniger als Modifikationen bzw. Kombinationen dieser sieben archetypischen Metallitäten begreifen. Die Alchemisten gingen noch weiter und sahen das Quecksilber, den Mercurius, allerdings weniger als materielle Substanz, sondern als ätherisch-geistiges Prinzip, als den Urgrund aller Metalle an. In allen Metallen ist nach ihrer Ansicht der Mercurius in einer ganz spezifischen Weise tätig und in dem man in geeigneter Weise in diesen Prozess eingreift, können alle Metalle ineinander und letzlich in Gold transmutiert werden. Dass den Alchemisten derartige Transmutationen tatsächlich gelungen sind, wird allerdings heute wissenschaftlich stark angezweifelt und das auf diesem Gebiet viele Betrügereien vorgekommen sind, steht außer Frage. Alexander von Bernus, der große Alchemist des 20. Jahrhunderts geht allerdings davon aus, dass einzelnen Alchemisten tatsächlich die Umwandlung unedler Metalle zu Gold gelungen sei und das sie auch alle analytischen Mittel zur Hand gehabt hätten, echtes von falschem Gold zu unterscheiden:

"Eine spätere Zeit - und sie liegt vielleicht nicht einmal allzu ferne - wird zu einem anderen Urteil kommen. Tatsächlich liegen einwandfrei beglaubigte Zeugnisse von Transmutationen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert vor, und überdies braucht man gar nicht einmal so weit zurückgreifen; es finden solche auch noch heute vereinzelt statt, so wie sie früher stattgefunden haben." (Lit.: Bernus 1994)

Der kosmische Ursprung der Metalle

Die Metalle haben sich im Zuge einer langen Entwicklung durch alle unserer jetzigen Erde vorangegangenen planetarischen Entwicklungsstufen aus dem Kosmos heraus gebildet und erst allmählich aus dem ätherischen Zustand zum physischen verdichtet:

"Die Metalle, wie sie in der Erde heute sind, kamen aus dem Kosmos in Luftesform und wurden nach und nach flüssig erst während des Mondendaseins. Sie kamen in Luftesform, als die Erde in ihrem alten Sonnenzustande war, erlangten die flüssige Form hinein eben während der Erdenzeit." (Lit.: GA 232, S 169)

Noch heute tragen die Metalle ein reiches Gedächtnis an diese Entwicklung in sich:

"Wenn wir dieses Metallische in der Erde mit den gewöhnlichen Sinnen betrachten, so sagt es ja zunächst nichts anderes, als daß es von dieser oder jener Art der Erde spricht. Wenn wir aber in die Erde eindringen mit dem geistig geschärften Blick, der uns das Menschlich-Übersinnliche kündet, dann wird etwas ganz Besonderes aus alledem, was als Metallisches im Innern der Erde ist. Dann beginnt alles Kupferige, alles Silberige, alles Goldige innerhalb der Erde eine mannigfaltige geheimnisreiche Sprache zu sprechen. Dann tritt uns für die übersinnliche Betrachtung etwas entgegen, was uns als Menschen, der auf der Erde wandelt, so recht verwandt macht mit dem ganzen lebendig-seelischen Wesen der Erde selber. Die Metallerze sagen uns etwas, sie werden für uns zu kosmischen Erinnerungen, es führt uns das Metallische der Erde zu den Erinnerungen der Erde selber. Und in diesem Augenblick, wo wir die Erinnerungen der Erde zu unseren eigenen machen, haben wir um uns herum die Wesenheiten der zweiten Hierarchie, die Kyriotetes, Dynamis, Exusiai. Wir schauen da, wie diesen Wesenheiten der zweiten Hierarchie aufgetragen ist von der höheren geistigen Weltenordnung, alles das in der Erde zu bewirken, was durch die Impulse der Metalladern kommt." (Lit.: GA 231, S 138ff)

Erst indem die Metalle auf Erden in den mineralischen Zustand übergingen, konnte der Erdenplanet das Sonnenlicht zurückspiegeln und wurde auch als äußerlicher Planet sichtbar.

"Indem die pflanzliche Erde mineralisch wurde, erwarb sie durch die Metalle eine neue Eigenschaft: das Licht* widerzuspiegeln. Ein Gestirn wird am Himmel erst sichtbar, wenn es mineralisch geworden ist. Es gibt also im Universum viele andere Welten, die unser physisches Auge nicht wahrnehmen kann und die allein von Hellsehern wahrgenommen werden können. Die Erde ist ebenso mineralisch geworden wie der physische Körper des Menschen." (Lit.: GA 94, S 29)

Dadurch erst konnte der Mensch den festen Erdboden betreten und hier sein Ich und seine Freiheit entwickeln.

"Die Erinnerung der Metalle der Erde ist das, was auf den Zustand zurückgeht, wo ein jegliches Metall eine kosmische Farbe war, die die anderen durchdrang; wo der Kosmos im wesentlichen eine Art innerer Regenbogen, eine Art Spektrum war, das dann sich differenziert hat und erst zum Physischen geworden ist. Ein jedes Metall sagt einem zugleich: Ich stamme aus den Raumesweiten und Erdenfernen. Ich stamme aus dem Himmelsbereiche, und ich bin hier in das Innere der Erde zusammengezogen, hineingezaubert. Aber ich warte meiner Erlösung. Denn wieder werde ich einstmals mit meiner Wesenheit das Weltenall erfüllen. Wie wir einstmals gereicht haben, das Kupfer bis zur Venus, das Blei bis zum Saturn, so sind wir heute hier verzaubert und werden wiederum da hinausreichen, wenn die Erde ihre Aufgabe erfüllt, daß nun der Mensch gerade dasjenige auf der Erde erreiche, was er nur auf der Erde erreichen konnte. Denn deshalb gingen wir in diese Verzauberung ein, damit der Mensch auf Erden ein freies Wesen werden konnte. Ist die Freiheit dem Menschen erkauft, dann kann auch unsere Entzauberung wiederum beginnen. Und diese Entzauberung ist schon lange im Grunde eingeleitet." (Lit.: GA 232, S 88)

Tatsächlich sind die irdischen Metalle heute bereits in einem Zustand, mit dem die stoffliche Auflösung, die Entwerdung der Erde eingeleitet wird:

"Wir haben in den Metallen dasjenige, wodurch die Erde am meisten - wenn ich mich jetzt des Ausdrucks bedienen darf, der schon lange in der deutschen Sprache nicht mehr vorkommt, aber der einer Realität entspricht – ent-wird, entwerden. Und die Metalle tendieren nicht dazu, etwa immer mehr und mehr sich zu konservieren oder zu konsolidieren im Erdenbereich, sondern sie tendieren dazu, zu zersplittern, herauszusplittern. Also sie sind eigentlich dasjenige, was das Entwerden der Erde darstellt, und deshalb entwickeln sie auch eine für die äußere Beobachtung verborgene, ausstrahlende Wirkung. Sie haben überall die strahlende Wirkung. Das zu beobachten ist nun von einer ganz besonderen Bedeutung überall, wo man zu der Interpretation der Natur, insofern sie Heilmittel gibt, ins Metallische hineinkommt." (Lit.: GA 313, S 139)

Dieser stoffliche Auflösungsprozess zeigt sich insbesondere auch im Phänomen der Radioaktivität, das ganz besonders bei den am meisten der Schwere verfallenen Metallen sehr häufig auftritt.

Metalle und Bewusstsein

Konzentriert man sich auf die Metallkräfte und wie sie im menschlichen Organismus wirken, so lernt man dadurch verschiedene Grade und Arten des Bewusstseins kenne. In der Welt fein verteiltes Gold wirkt auf das Herz und erhält das wache Tagesbewusstsein. Konzentriert man sich auf das Eisen, so bildet sich ein Bewusstseinszentrum in der Kehlkopfpartie und dem geistigen Blick eröffnet sich die Astralwelt, in der auch die Gruppenseelen der Tiere zu finden sind; kosmisch entspricht das dem Bereich bis zur Marssphäre. Das Zinn–Bewusstsein zentriert sich in der in der Augengegend und ermöglicht den Aufstieg in den Kosmos bis hin zum Jupiter. Durch das Blei wird das Bewusstsein im Bereich der Schädeldecke erweckt, das bis zum Saturn reicht. Hat man allerdings seine geistigen Kräfte noch nicht genügend gestärkt, wird das Bewusstsein immer mehr herabgedämpft, je höher man über das "goldene" Herzbewusstsein hinaufsteigt. Während diese drei letzteren Bewusstseinszustände, die den obersonnigen Planeten entsprechen, den Menschen aus sich herausführen, füllt die Metallität des Kupfers den Menschen mit einem „zweiten Menschen“ unterhalb der Herzgegend, der aber abgetrennt und herausgelöst werden kann und mit dem man mit der Welt der Toten auf dem Astralplan in Verbindung treten kann:

"Wir können lernen, indem wir an das metallische Gold uns so erinnern, wie es ist, auf seine Farbe uns konzentrieren, auf seine Härte, auf seine ganze Substantialität uns konzentrieren und dann diese erlebte innere Erfahrung machen, daß das Gold mit unserem Herzen zu tun hat. Dann können wir es dahin bringen, daß wir durch andere Konzentration, durch Konzentration zum Beispiel auf das Eisen und seine Eigenschaften, darauf kommen, wie das Eisen wirkt. Das Gold wirkt unendlich harmonisierend, ausgleichend auf den inneren Menschen. Er kommt in ein inneres Gleichgewicht durch die Wirkung des Goldes. Konzentrieren wir uns scharf auf das Eisen, nachdem wir es gut kennengelernt haben, vergessen wir das ganze Weltenall, konzentrieren wir uns bloß auf das Eisen, so daß wir gewissermaßen selber in unserem Seelenleben ganz im Eisen aufgehen, Eisen werden, uns als Eisen erleben, dann fühlen wir, wie wenn unser Bewußtsein aus dem Herzen heraufstiege. Wir fühlen uns noch ganz klar, aber wir fühlen, wie das Bewußtsein aus dem Herzen heraufsteigt und bis zum Halse, zum Kehlkopf dringt. Hat man nun genügend Übungen gemacht, dann schadet aber das nichts. Hat man noch nicht genügend Übungen gemacht, dann kommt eben die leise Ohnmacht. Man lernt diese leise Ohnmacht beim Aufsteigen des Bewußtseins entweder dadurch kennen, daß man wirklich in eine leise Ohnmacht fällt, oder man lernt es dadurch kennen, daß man innere Aktivität, starke Kraft des Bewußtseins entwickelt hat. Dann versetzt man sich nach und nach hinein in dieses Aufsteigen des Bewußtseins, und man kommt an jene Welt heran, auch durch eine solche Methode, wie ich sie eben beschrieben habe, an die Welt, von der ich gestern gesprochen habe, wo man die Tiere mit ihren Gattungsseelen sieht. Jetzt ist man aber in der Astralwelt drinnen dadurch, daß man sich auf die Metallität des Eisens konzentriert hat.

Metalle und Bewusstseinszentren
Metalle und Bewusstseinszentren

Geht man auf die Form der Metalle, kommt man zu den Götterwesen. Geht man auf die Metallität, auf die Substantialität, dann kommt man in die astralischen Welten hinein, in die astralische, in die Seelenwelt. Man fühlt das Bewußtsein hier am Hals heraufsteigend (siehe Zeichnung), kommt in eine andere Sphäre des Bewußtseins hinein, weiß, daß man das der Konzentration auf das Eisen verdankt, hat das Gefühl, man ist jetzt gar nicht mehr derselbe Mensch wie früher. Wenn man vollbewußt, exakt bewußt in diesen Zustand hineinkommt, hat man das Gefühl, man ist nicht mehr derselbe Mensch wie früher, man ist ätherisch geworden. Man ist aus sich heraus aufgestiegen, ätherisch geworden. Die Erde geht weg, interessiert einen nicht mehr. Aber man erhebt sich in die planetarische Sphäre, die sozusagen jetzt der Wohnplatz von einem ist. So kommt man immer mehr und mehr aus sich heraus, in das Weltenall hinein. Der Weg vom Gold zum Eisen ist der Weg ins Weltenall hinaus.

Man kann weitergehen. Man kann sich jetzt ebenso, wie ich es für Gold und Eisen beschrieben habe, zum Beispiel auf Zinn konzentrieren, ein anderes Metall, wiederum auf die Metallität, auf die Farbe, die es hat, die Konsistenz und so weiter, so daß man mit seinem Bewußtsein ganz Zinn wird. Man fühlt, daß das Bewußtsein noch weiter heraufsteigt. Man fühlt, wenn man unvorbereitet, ohne die nötigen Übungen, als Mensch das durchmacht, wird man sehr stark ohnmächtig, es ist nur noch ein Funke des Bewußtseins da. Und hat man die Übungen durchgemacht, so hält man sich in dieser Ohnmacht drinnen und fühlt im Gegenteil, wie man noch weiter aus seinem Leibe herausschlüpft. Nun schlüpft man weiter heraus. Man fühlt, aufgestiegen ist bis zur Augengegend das Bewußtsein (siehe Zeichnung). Man fühlt sich in den Weiten des Weltenalls draußen. Man fühlt sich noch aber in den Sternen drinnen. Die Erde fängt aber an, als ein ferner Stern sichtbar zu werden. Und man denkt: Da unten hast du deinen Leib gelassen auf der Erde, du bist jetzt heraufgekommen in den Kosmos, erlebst das Sternenleben mit...

Noch weiter im Weltenall draußen lebt das Zinnbewußtsein (Zeichnung: orange). Es ist gar nicht wahr, daß Sie allein hier auf Erden leben. Sie leben auf Erden dadurch, daß Sie ein Herz haben. Das hält Ihnen das Bewußtsein auf der Erde zusammen. Dasjenige, was im Kehlkopf sitzt (Eisen: rot), das lebt draußen im Weltenall. Und noch weiter draußen lebt dasjenige, was über den Augen im Kopfe sitzt (Zinn). Eisen reicht hinauf bis zum Mars. Das Zinn reicht hinauf bis zum Jupiter. Durch das Gold nur sind Sie auf Erden. Sie sind immer im Weltenall; nur das Herzbewußtsein deckt Ihnen das zu.

Tritt die Konzentration nun ein für Blei oder für ein ähnliches Metall, wiederum für die Substantialität, für die Metallität, dann gehen Sie ganz aus sich heraus. Dann wird Ihnen ganz klar: Da drunten auf der Erde ruht dein physischer, ruht auch dein Ätherleib. Das ist etwas Fremdes. Das ist da unten. Das geht mich jetzt so wenig an wie der Stein, der auf dem Felsen ruht. - Das Bewußtsein ist herausgestiegen aus Ihnen, hier (aus dem oberen Teil des Kopfes: rot). Im Weltenall ist immer eine geringe Dosierung von Blei vorhanden. Dieses Bewußtsein da oben, das ist weit hinausreichend. Und mit dem, was da noch in der Schädeldecke mit diesem Bewußtsein beim Menschen immer vorhanden ist, damit ist er immer in einer vollständigen Ohnmacht.

Denken Sie an die Illusionen, in denen der Mensch da lebt. Er glaubt, wenn er so an seinem Schreibtisch sitzt, Konten oder Feuilletons schreibt, da denkt er mit seinem Kopfe. Es ist aber gar nicht wahr. Der Kopf ist gar nicht auf der Erde. Er ist nur in seiner äußerlichen Offenbarung auf der Erde. Der Kopf reicht vom Hals in das Weltenall hinaus. Das Weltenall offenbart sich bloß im Kopfe. Dasjenige, was macht auf Erden, daß Sie ein Erdenwesen sind zwischen Geburt und Tod, das ist das Herz. Und wenn einer gute oder schlechte Feuilletons schreibt, Konten, die den anderen übervorteilen oder nicht übervorteilen, so kommt das alles aus dem Herzen. Die besten Gedanken, die Sie haben können, das kommt alles aus dem Herzen. Es ist nur eine Illusion, daß der Mensch mit seinem Kopf auf Erden lebt. Er lebt nicht mit seinem Kopf auf Erden. Der Kopf ist eigentlich fortwährend ohnmächtig. Daher kann er auch in einer so außerordentlichen Weise gerade schmerzvoll werden, wie andere Organe nicht schmerzvoll werden. Ich werde das noch weiter ausführen. So daß, wenn wir daran denken, dahinterzukommen, wie wir sind, uns eigentlich fortwährend geistwärts droht, daß der Kopf ins Weltenall hinaus zersplittert wird, daß das ganze Bewußtsein nach oben auseinandergeht, ins Mächtig-Ohnmächtige zerfällt. Das alles wird durch das Herz zusammengehalten.

In einer ganz anderen Richtung bewegen wir uns geistig, wenn wir auf gewisse andere Arten der Metallität unsere Konzentration richten. Geradeso wie wir das tun können mit Eisen, Zinn, Blei, können wir es zum Beispiel auch vollbringen mit dem Kupfer. Wir können uns auf die Metallität des Kupfers konzentrieren, gewissermaßen aufgehen in dem Kupfer, ganz Kupfer werden im Seelenleben, in der Farbe, in der Konsistenz, in jenes eigentümliche oberflächlich Gerilltsein des Kupfers aufgehen, kurz, in alledem, was man seelisch an der Metallität des Kupfers erleben kann. Dann bekommt man nicht das Gefühl eines Überganges in Ohnmacht, sondern etwas Gegenteiliges tritt ein. Man bekommt das Gefühl, man wird innerlich mit etwas ausgefüllt. Man wird innerlich sich mehr fühlbar, als man sonst ist. Man hat förmlich das Gefühl, dieses Kupfer, über das man konzentriert denkt, das erfüllt einen von oben bis nach unten, bis in die Fingerspitzen, überall hin, bis in die Haut hinein. Es erfüllt einen. Es füllt einen mit etwas aus. Und dasjenige, womit es einen ausfüllt, das fühlt man von da ausstrahlend (siehe Zeichnung, rosa). Es strahlt dann von diesem Mittelpunkt, der unterhalb des Herzens liegt, in den ganzen Körper hinein. Man fühlt so einen zweiten Körper in sich, einen zweiten Menschen. Man fühlt sich innerlich gepreßt. Ein leiser Schmerz beginnt, der sich steigert. Man fühlt alles innerlich gepreßt.

Aber wiederum mit dem Initiatengefühl durchdringt man das alles, und man fühlt eben einen zweiten Menschen auf diese Weise im Menschen. Und es wird bedeutsam, wenn man gerade mit dem Initiatengefühl nun so erleben kann, daß man sich sagen kann: Mit deinem gewöhnlichen Menschen, den du bekommen hast durch Geburt und Erziehung, mit dem du in der Welt herumgehst, mit dem du schaust durch deine Augen in die Welt, mit dem du hörst, mit dem du fühlst die Dinge, mit diesem Menschen gehst du herum; aber dadurch, daß du trainiert bist, daß du Übungen gemacht hast, dadurch bringst du auch diesen Menschen, diesen zweiten Menschen, der dich jetzt auspreßt, dazu, wahrnehmen zu können. - Er wird zwar ein eigentümlicher Mensch, dieser zweite Mensch. Er hat nicht so abgesonderte Augen und Ohren, er ist gleichsam ganz Auge und Ohr; aber er ist wie ein Sinnesorgan. Er nimmt fein wahr. Und er nimmt eben Dinge wahr, die wir sonst nicht wahrnehmen. Die Welt wird plötzlich bereichert. Und man kann dann wie eine Schlange, die beim Häuten ihre Haut abstößt, für eine gewisse Zeit, die gar nicht lange zu sein braucht, die nach Sekunden dauern mag - man erlebt schon in Sekunden dann sehr viel -, mit diesem zweiten Menschen, der sich da einem, ich möchte sagen, als der Kupfermensch ausgebildet hat, herausgehen aus dem Leibe und sich frei in der Welt geistig bewegen. Er ist trennbar, wenn das auch alles Schmerz macht, wenn der Schmerz sich auch steigert, er ist trennbar vom Leibe.

Man kann herauskommen. Man kann jetzt, wenn man herauskommt, noch mehr erleben, als wenn man drinnen stecken bleibt. Man kann vor allen Dingen, wenn man es dazu gebracht hat, dieses Herausgehen zu ermöglichen, jemandem, der gestorben ist, in diejenige Welt folgen, in die er nach ein paar Tagen eintritt. Also jemand ist durch die Pforte des Todes gegangen, und alle die Beziehungen, die man als irdischer Mensch zu diesem Menschen gehabt hat, hören auf. Er wird verbrannt oder begraben. Er ist auf der Erde nicht mehr da.

Wenn man mit diesem zweiten Menschen, den ich eben beschrieben habe, aus dem Leibe herausgeht, so kann man der Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, weiter nachfolgen. Man bleibt mit dieser Seele zusammen. Und man erlebt dann, wie diese Seele in den ersten Jahren und Jahrzehnten, nachdem sie durch die Pforte des Todes gegangen ist, das Leben wieder rückwärts durchmacht. Es wird das eine Wahrheit. Man kann das beobachten. Man kann mit dem Toten weiterhin gehen. Man sieht, das, was er in den Tagen vor seinem Sterben hier auf Erden erlebt hat, das erlebt er zurück, das Letzte zuerst, das Vorletzte als zweites und so weiter. Er lebt alles zurück. Bis zu dem Zeitpunkte seiner Geburt lebt er sich zurück in einem Drittel der Lebenszeit. Wenn einer sechzig Jahre alt geworden ist, lebt er ungefähr zwanzig Jahre zurück, das ganze Leben rückwärts durchlaufend. Da kann man ihm folgen. Und das Eigentümliche ist, da lernt man vieles vom Menschen so kennen, wie es eben unmittelbar nach dem Tode ist. Der Mensch lebt nicht nur die Dinge so zurück, wie er sie hier auf Erden erfahren hat. Verzeihen Sie, wenn ich ein derbes Beispiel nehme. Nehmen wir an, Sie haben drei Jahre vor Ihrem Tode jemandem eine Ohrfeige gegeben - ich will ein derbes Beispiel nehmen. Da haben Sie Zorn gehabt über ihn. Der Zorn ist übergesprudelt. Ich weiß ja selbstverständlich, daß keiner, der hier sitzt, das tun würde, aber ich will eben ein derbes Beispiel wählen. Also nehmen wir an, Sie haben einen Zorn gehabt, der Zorn ist übergesprudelt, Sie haben einem anderen seelisch, physisch Schmerz gemacht. Sie haben Ihre Befriedigung gehabt. Sie waren zufrieden. Sie haben ihn gestraft für das, was er Ihnen angetan hat.

Jetzt, wenn Sie zurückgehen und bei diesem Ereignis ankommen - nach einem Jahre kommen Sie bei diesem Ereignis an -, da erleben Sie nicht das, was Sie erlebt haben als Ihren Zorn, sondern was er als Seelenleid, als Körperleid erlebt hat. Sie leben sich ganz in ihn hinein. Sie bekommen dann die Ohrfeige im Seelischen. Sie haben den körperlichen Schmerz richtig nachzufühlen. Und so für alle Ereignisse. Sie erleben die Ereignisse so, wie sie die anderen erlebt haben. In alldem kann man dem Menschen folgen." (Lit.: GA 243, S 57ff)

Literatur

  1. Alexander von Bernus: Alchymie und Heilkunst, Verlag am Goetheanum, Dornach 1994
  2. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001)
  3. Rudolf Steiner: Mysteriengestaltungen, GA 232 (1998)
  4. Rudolf Steiner: Das Initiaten-Bewußtsein. Die wahren und die falschen Wege der geistigen Forschung., GA 243 (2004)
  5. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie, GA 313 (2001)
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Die Volltextsuche im schriftlichen Gesamtwerk ist derzeit leider nicht verfügbar.

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