Laster

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Das Laster (von althochdeutsch: lastar, Schmach, Tadel, Fehler) ist eine dauerhafte schlechte Gewohnheit, die als solche ihren primären Sitz im Ätherleib des Menschen hat. Dem Laster steht die Tugend, die ebenfalls im Ätherleib verwurzelt ist, als positives Gegenbild gegenüber. Indem man sich dem Laster hingibt, verfällt man nicht nur wie bei der Sünde einer augenblicklichen Versuchung, die ihre Ursache im Astralleib hat, sondern lädt eine viel tiefergehende Schuld auf sich, die auch wesentlich nachhaltiger die soziale Gemeinschaft schädigt. Laster sind keine Sünden im engeren Sinn, bilden aber die Wurzel aus der immer wieder verschiedenste Sünden entspringen.

"In aller Geheimwissenschaft hat man von jeher dasjenige, was Fehler gegen die Gemeinschaft ist, was aus dem fehlerhaften Ätherleibe fließt, als «Schuld» bezeichnet. Das gewöhnliche, triviale Wort «Schulden» hat einen ganz ähnlichen Ursprung wie das moralische Wort «Schuld», das das bezeichnet, was man dem andern moralisch schuldig geworden ist. Die Schuld ist also etwas, was auf fehlerhafte Eigenschaften des Ätherleibes zurückzuführen ist." (Lit.: GA 96, S 214f)

Die 7 Hauptlaster

In der christlich-abendländischen Tradition werden gemeinhin 7 Hauptlaster genannt, die im Volksmund oft fälschlich auch als die 7 Todsünden bezeichnet werden:

  • Superbia: Hochmut (Übermut, Eitelkeit, Stolz, Ruhmsucht)
  • Avaritia: Geiz (Habgier, Habsucht)
  • Invidia: Neid (Missgunst, Eifersucht)
  • Ira: Zorn (Wut, Vergeltung, Rachsucht)
  • Luxuria: Wollust (Unkeuschheit)
  • Gula: Völlerei (Gefräßigkeit, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
  • Acedia: Trägheit des Herzens / des Geistes (Faulheit, Überdruss)

Der christliche Schriftsteller und Mönch Euagrios Pontikos (latinisiert Evagrius Ponticus) hatte gegen Ende des 4. Jahrhunderts erstmals eine systematische Darstellung der hauptsächlichen Laster gegeben, die den rechten Lebenswandel der Mönche beeinträchtigen konnten. Er nennt acht Hauptlaster, die im wesentlichen mit den oben genannten übereinstimmen, allerdings nennt er den Neid (Invidia) nicht, fügt aber Vana Gloria (Ruhmsucht) und Tristitia (Trübsinn) hinzu. Papst Gregor I. legte die bis heute gebräuchliche Ordnung fest, indem er den Trübsinn der Trägheit und die Ruhmsucht dem Hochmut zuordnete und den Neid hinzufügte.

Die Hauptlaster wurden auch immer wieder bestimmten Dämonen zugeordnet. Am meisten verbreitet hat sich die Zuordnung des Peter Binsfeld aus dem 16. Jahrhundert, der sehr aktiv die Hexenverfolgungen vorantrieb und dessen Hexentraktat für gut ein Jahrhundert als Standardwerk der Hexenlehre und Dämonologie galt. Nach seiner Zuordnung entspricht Luzifer dem Hochmut, Mammon der Habsucht, Leviathan dem Neid, Satan dem Zorn, Asmodeus der Wollust, Beelzebub der Völlerei und Belphegor der Faulheit.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96 (1989)
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Die Volltextsuche im schriftlichen Gesamtwerk ist derzeit leider nicht verfügbar.

Ein sehr hilfreiches Werkzeug zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk ist Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners.

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